Bernburger Lohelandhaus in Gefahr – MZ-Presseartikel vom 22.12.2017

MZ vom 22.12.2017 S. 23 Kultur & Leben

DENKMAL

Bernburger Lohelandhaus in Gefahr

Stadtrat stimmt für Abriss.

VON GÜNTER KOWA

BERNBURG/MZ – Der Bernburger Stadtrat hat jüngst mit 23:14 Stimmen dem umstrittenen Abrissantrag für das denkmalgeschützte “Loheland-Haus” zugestimmt. Damit liegt die Entscheidung über dieses 1936 gebaute Zeugnis der Lebensreform-Bewegung bei der Oberen Denkmalschutzbehörde. Von Oberbürgermeister Harry Schütze (CDU) erfährt man die Argumente: Die Stadt als Eigentümer will einen Parkplatz anlegen, um die benachbarte Wilhelmsstraße für Mieter attraktiver zu machen und damit das Zentrum zu stärken. Ein Erhalt des Gebäudes sei unwirtschaftlich, ein Bedarf bestehe nicht. In der Stadt gebe es wichtigere Denkmale mit Mittelbedarf.

Nicht zu überhören ist die verbale Misshandlung, mit der der Gegenstand in der öffentlichen Wahrnehmung herabgesetzt werden soll. Mitglieder von Rat und Bauausschuss stempeln das Bauwerk zum nutzlosen Schandfleck ab: “Bretterbude”, gesteigert zu “vergammelte Bretterbude”, wenn nicht “stinkende Bretterbude”. Ins Lächerliche gezogen wird auch die Erbauerin, die in Bernburg aufgewachsene Lehrerstochter Magdalena Trenkel: Zu ihrer Zeit mutig entschlossen, eine selbstständige Existenz als Gymnastiklehrerin im Sinne der damals berühmten Loheland-Bewegung aufzubauen. Walter Gropius hatte ernsthaft erwogen, sie ins pädagogische Programm des Bauhauses aufzunehmen.

Eine Mehrheit des Stadtrats scheint bereit, ein stadtgeschichtlich einzigartiges Zeugnis der Planierraupe zu überantworten. Es ist aber das Land, das ein vielleicht randständiges, aber beredtes Zeugnis der Moderne zu verlieren droht. Das Lohelandhaus blieb im Ausstellungs-Großprojekt “Große Pläne” unberücksichtigt, weil die Programmfülle an Grenzen stieß. Am Bauhaus Dessau bedauert man dies und hat jetzt einen Appell zur Rettung des Gebäudes gestartet.

Das Haus unter seinem schattigem Laubdach an der Schnittstelle von Stadt und Stadtpark könnte in Sinne der Gründerin ein Ort für Familien und Kinder sein. Park-Haus statt Parkplatz: in bürgerschaftlicher Selbstverwaltung, verfügbar für Kindergärten und Grundschulen, wofür es Beispiele gibt, an denen auch die Bernburger Stadtpolitik sich orientieren kann.